Zwei Wissensarten
#4 Primärwissen, Sekundärwissen, Novizen, Experten
Auf Nachfrage nach dem Inhalt eines meiner Posts konnte sich meine Tochter nicht mehr an alle Inhalte erinnern. Nicht alle Inhalte aus dem Text wurden also im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das kann zum einen daran gelegen haben, dass ausgerechnet bei Lesen eines Inhaltes das Handy ein Teil der Aufmerksamkeit eingefordert hat, was dazu geführt hätte, dass die Information gar nicht vom sensorischen Gedächtnis in Arbeitsgedächtnis gelangt sind. Wenn wir nicht aufmerksam sind oder auch nicht motiviert sind, haben Informationen keine Chance ins Arbeitsgedächtnis zum kommen und im Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden.
Es ist aber auch möglich, dass die Informationen es bis in Arbeitsgedächtnis geschafft haben, aber trotzdem nicht im Langzeitgedächtnis.
Was könnte da schief gelaufen sein?
Zunächst ist es wichtig zwei "Wissensarten" beim Lernen zu unterscheiden:
1. Die Kognitionswissenschaft unterscheidet zwischen dem Erwerb von "Primärwissen (biological primary knowledge)" und "Sekundärwissen (biological secondary knowledge)". Primärwissen, wie z.B. Sprechen und Gehen, lernen wir ohne systematische Anleitung (natürliches Lernen). Beim Sekundärwissen, wie z.B. Lesen, Schreiben, Rechnen, ... benötigen wir in der Regel eine systematische Instruktion.
2. Beim Lernen von " Sekundärwissen ", wie z.B. den Inhalten einer Vorlesung oder eines Newsletters, muss hinsichtlich der zu lernenden spezifischen Informationen nochmals zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen unterschieden werden. Anfänger (Novizen) lernen anders als Fortgeschrittene (Experten). Das liegt vor allem daran, dass Experten auf viel mehr Vorwissen aus dem Langzeitgedächtnis zurückgreifen können. Neue Informationen finden daher mehr Anknüpfungspunkte an bereits gespeicherte Informationen.
So kann es sein, dass eine Information aus dem Newsletter meiner Tochter bereits bekannt war - sie war also schon ein "Fortgeschrittener" in Bezug auf diese Information - und es für sie einfach war, diese Information an bereits gespeichertes Wissen im Langzeitgedächtnis anzudocken. Andere Inhalte waren vielleicht neu und hätten nur dann den Weg ins Langzeitgedächtnis gefunden, wenn sie sich aktiv mit dem neuen Wissen auseinandergesetzt hätte. Hilfreich für das Abspeichern im Langzeitgedächtnis wäre eine Verfestigung, Konsolidierung und Automatisierung, z. B. durch:
- Selbststudium, z. B. der Quellen zum Thema (s.u.)
- Notizen machen
- ein Quiz erstellen
- sich mit anderen über das Thema austauschen
- Fragen und/oder Quiz erstellen und regelmäßig wiederholen
Durch diese Art der Verarbeitung der neuen Informationen werden die Gedächtnisspuren gefestigt.
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Literatur
Wellenreuther, M. (2019). _Lehren und Lernen - aber wie? Ein Studienbuch für das Lehramtsstudium_ (Grundlagen der Schulpädagogik) (10., unveränderte Auflage.). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.
Postliste
1. Lernen
2. Was erfolgreiche Studentinnen und Studenten tun.
3. Gedächtnis
4. Zwei Wissensarten
